Das Riesenfernrohr der Archenhold-Sternwarte © SPB / Foto: F.-M. Arndt

Technik und Instrumente
Archenhold-Sternwarte

Riesenfernrohr

Herzstück der Archenhold-Sternwarte ist das Treptower Riesenfernrohr. Ursprünglich nur ein Ausstellungsstück der 1896 ausgerichteten Treptower Industrie- und Gewerbeausstellung, verblieb das Gerät nach Ende der Ausstellung im Treptower Park und wurde zur Keimzelle der heutigen Sternwarte. Initiator des Fernrohrs und Sternwartengründer war der Astronom Friedrich Simon Archenhold (1861 - 1939). Das Gerät ist mit 21 Metern Brennweite das längste voll bewegliche Linsenfernrohr der Welt und auch heute noch einsatzfähig. Es wird vor allem im Winterhalbjahr für öffentliche Beobachtungen genutzt. Seine weltweit einmalige Konstruktion diente als Vorbild für die ab 1900 entwickelte Zeiss-Entlastungsmontierung für Großfernrohre. Seine Optik macht das Gerät vorzüglich für die Beobachtung von Planeten, des Mondes und Doppelsternen geeignet.

Optische Daten: Steinheil-Objektiv, d = 680 mm (wegen Beschädigungen abgeblendet auf 580 mm), f = 21.000 mm; Montierung F. Meyer/C. Hoppe, Berlin

Das Riesenfernrohr in Aktion © SPB / Foto: F.-M. Arndt
Das Riesenfernrohr in Aktion © SPB / Foto: F.-M. Arndt

500-mm-Spiegelteleskop

Das 500-mm-Spiegelteleskop ist das am meisten genutzte Instrument der Sternwarte © SPB / Foto: F.-M. Arndt
Das 500-mm-Spiegelteleskop ist das am meisten genutzte Instrument der Sternwarte © SPB / Foto: F.-M. Arndt

Das 500-mm-Spiegelteleskop wurde zu Beginn der 1960er Jahre auf dem Außengelände der Sternwarte aufgestellt. Es sollte das damals temporär stillgelegte Riesenfernrohr ersetzen.

Dieses Fernrohr eignet sich besonders für die Beobachtung sogenannter Deep-Sky-Objekte – Sterne, Nebel und Galaxien. Aber auch Planeten oder der Mond lassen sich sehr gut mit ihm beobachten. Die möglichen Vergrößerungen liegen zwischen circa 120- und 470-fach. Das 500-mm-Spiegelteleskop ist der Bauart nach ein Cassegrain-Teleskop, das heißt der Einblick erfolgt bequem von hinten. Es ist das von Besucher*innen wie auch von den Amateur*innen am häufigsten benutzte Instrument.

Optische Daten: Zeiss-Hauptspiegel, d = 500 mm, f = 7.500 mm; Montierung und Kuppel: Zeiss/Jena


Sonnenphysikalisches Kabinett

Das 1965 errichtete Sonnenphysikalische Kabinett dient allein der Sonnenbeobachtung. Hier kann man die Sonne auf verschiedene Weise beobachten: Ein sogenannter Jensch-Coelostat fängt das Licht der Sonne ein und spiegelt es durch ein 150-mm-Objektiv in das Gebäude. Im Hörsaal des Kabinetts wird damit auf einer Leinwand ein circa 80 cm großes Bild der Sonne erzeugt, an dem man die Sonnenflecken, die Randverdunklung und Fackelgebiete deutlich erkennen kann. Über einen vorschaltbaren H-α-filter und eine Kamera lassen sich auch Protuberanzen und die brodelnde Sonnenoberfläche sichtbar machen.

Darüber hinaus verfügt das Sonnenphysikalische Kabinett über einen 4-Prismen-Spektrograph, der ein fast 2 m langes Sonnenspektrum erzeugt, in dem Hunderte der Fraunhoferschen Linien sichtbar werden.

Öffentliche Sonnenbeobachtungen finden von Mai bis September statt.

Der Hörsaal des Sonnenphysikalischen Kabinetts © SPB / Foto: F.-M. Arndt
Der Hörsaal des Sonnenphysikalischen Kabinetts © SPB / Foto: F.-M. Arndt

Weitere Instrumente

150-mm-Coudé-Refraktor

Unter einer 3-Meter-Kuppel im Außengelände steht der 150-mm-Coudé-Refraktor. Sein Strahlengang wird mit zwei Spiegeln in die Stundenachse der Montierung umgelenkt. Damit ist das Gerät sehr kompakt und bietet einen bequemen Einblick. Das optisch ausgezeichnete Fernrohr wird vor allem von Arbeitsgemeinschaften und Amateurastronomen für Sonnen- und Planetenbeobachtungen genutzt.

Optische Daten: Zeiss-AF-Objektiv, d = 150 mm, f = 2.250 mm; Montierung und Kuppel: Zeiss/Jena

 

Radioteleskop

Auf dem Dach der Sternwarte ist außerdem ein Radioteleskop montiert. Seine 1.880-mm-Parabolantenne ist für den Empfang der 2,6-cm-Strahlung der Sonne (11,6 Ghz) eingerichtet. Mit ihr lässt sich die Radiostrahlung bis in die unterste Chromosphärenschicht der Sonne beobachten. Das Radioteleskop wird hauptsächlich für Demonstrationszwecke eingesetzt.

 

Astrograph

Ebenfalls auf dem Dach des Hauptgebäudes steht die sogenannte Astrographenkuppel. Astrographen dienten der Himmelsfotografie. Unter den Bedingungen der Großstadt (Lichtverschmutzung) und im Zeitalter der Digitalkameras verliert diese Technik jedoch an Bedeutung. Heute ist daher nur noch das Leitfernrohr in Betrieb. Seine Optik eignet sich hervorragend für die Beobachtung von Planeten.

Optische Daten: Steinheil-Objektiv, d = 104 mm, f = 1.400 mm, Montierung und Kuppel: Zeiss/Jena

250-mm-Kometensucher

In der westlichen Schutzhütte auf dem Dach der Sternwarte befindet sich ein Kometensucher. Es handelt sich dabei um ein azimutal montiertes, leicht bedienbares Fernrohr mit großem Bildfeld und großer Lichtstärke. Es wird als Übersichtsinstrument benutzt und steht hauptsächlich Mitgliedern der astronomischen Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung.

Optische Daten: Zeiss-C-Objektiv, d = 250mm, f = 1620mm; Montierung: Zeiss

 

180-mm-Meniscas-Teleskop

Die östliche Schutzhütte auf dem Dach der Sternwarte beherbergt derzeit ein Zeiss-Meniscas-Fernrohr, das ebenfalls hauptsächlich von Amateurastronomen genutzt wird.

Optische Daten: Zeiss-Meniscas-Optik, d = 180 mm, f = 1.800 mm, Montierung: Zeiss/Archenhold-Sternwarte

 

Urania-Refraktor

Der 1888 gebaute Urania-Refraktor, das älteste Fernrohr der im Krieg zerstörten Urania Sternwarte, ist zurzeit demontiert und wird im Depot gelagert. Es ist unser Wunsch, das Gerät originalgetreu zu restaurieren und unter einer neuen Beobachtungskuppel wieder in Betrieb zu nehmen.


Zeiss-Kleinplanetarium

Der Sternprojektor Zeiss-ZKP-2 im Kleinplanetarium © SPB / Foto: F.-M. Arndt
Der Sternprojektor Zeiss-ZKP-2 im Kleinplanetarium © SPB / Foto: F.-M. Arndt

Das Zeiss-Kleinplanetarium befindet sich in einem Anbau der Sternwarte. Es besitzt eine 8-Meter-Kuppel und bietet Platz für 38 Besucher.

Der Sternprojektor ist ein Zeiss-ZKP-2-Gerät aus dem Jahr 1982. Mit ihm lassen sich der vollständige nördliche oder südliche Sternenhimmel sowie Sonne, Mond und Planeten projizieren.