Die Baustelle des Zeiss-Großplanetariums, 1986 © SPB / Foto: R. Lück

Geschichte
Zeiss-Großplanetarium

Geschichte des Zeiss-Großplanetariums

1981 – 1984 | Stilllegung und Abriss von Berlins ältestem Gaswerk

Auf dem Gelände an der Danziger Straße steht bis 1984 das älteste Gaswerk Berlins. Es verkokt von 1873 bis 1981 Kohle und produziert Stadtgas für die Berliner Bevölkerung. Als das Gaswerk 1981 schließlich stillgelegt wird, verbessert sich die Lebensqualität im Kiez erheblich, die zuvor durch Staub, Gase und Ruß stark belastet war. Nach und nach werden die Gasometer gesprengt, der letzte im Jahr 1984 – trotz massiver Proteste der Bevölkerung, die sich für eine weitere Nutzung der historischen Gasometer ausspricht. Doch die politischen Entscheidungsträger haben andere Pläne für das Areal: Das Gelände soll in einen Park umgewandelt werden, mit Wohnhochhäusern, einem Kulturzentrum mit Gaststätte und – einem Planetarium. Der Bau ist Chefsache: Die Baudirektion der Hauptstadt Berlin hat die Oberhoheit. Die Eröffnung des Planetariums soll zum 750-jährigen Stadtjubiläum Berlins 1987 stattfinden.

1985 – 1987 | Ein Großplanetarium entsteht

Die Grundsteinlegung für das Zeiss-Großplanetarium erfolgt 1985 durch Prof. Dr. Dieter B. Herrmann. Es wird nach Plänen des Architekten Erhardt Gißke gebaut. Organisatorisch bilden das Planetarium und die Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow eine gemeinsame Einrichtung, deren Leitung Prof. Herrmann obliegt. Bis Ende 1986 ist der Rohbau weitgehend fertiggestellt, so dass im Frühjahr 1987 mit dem Einbau der Technik im Planetariumssaal begonnen werden kann. Das Herzstück des Hauses bildet dabei der computergesteuerte Planetariumsprojektor vom Typ Cosmorama des VEB Carl Zeiss Jena. Nachdem der Projektor montiert und justiert ist, folgt der Einbau der Multivisionsanlage, die damals aus 48 Kodak-Diaprojektoren besteht.

Im Juli 1987 wird mit der Erstellung der ersten Planetariumsprogramme begonnen. Mit dem Wissenschaftsprogramm »Phantastisches Weltall« aus der Feder von Prof. Herrmann soll das Planetarium eröffnet werden. Es wird im September 1987 fertiggestellt und erlebt eine »heimliche« Premiere vor den beteiligten Arbeitern der Großbaustelle.

Am 9. Oktober 1987, kurz nach dem 38. Gründungstag der DDR und anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins, wird das Zeiss-Großplanetarium feierlich eröffnet. Anwesend ist die gesamte Parteispitze der SED einschließlich Erich Honecker.

Kernbau Zeiss-Großplanetarium © SPB / Foto: M. Dohrmann
Kernbau Zeiss-Großplanetarium © SPB / Foto: M. Dohrmann

1988 – 1989 | Das Planetarium im Spielbetrieb

Das Planetarium wird von der Bevölkerung gut angenommen. Etliche Schulklassen aus der gesamten DDR besuchen das Haus. Das Programmrepertoire wird erweitert, unter anderem durch eine erste Lasershow.

1989 – 1991 | Turbulente Zeiten

Mit dem Mauerfall und der Vereinigung beider deutsche Staaten beginnt für das Zeiss-Großplanetarium und die Archenhold-Sternwarte ein schwieriger Transformationsprozess: Die Besucherzahlen brechen ein, das Personal wird stark reduziert und der gesamten Einrichtung droht die Abwicklung. Es werden große Anstrengungen unternommen, die Existenz und Arbeitsfähigkeit beider Häuser zu erhalten. Im Jahr 1991 steigen die Besucherzahlen wieder leicht. Unterstellt ist das Planetarium fortan der Schulverwaltung des Senats, die einige finanzielle Mittel bereitstellt, um die technische Ausstattung schrittweise zu ergänzen: So werden die Multivisionsanlage und die Lasertechnik erweitert, moderne Technik für das Tonstudio angeschafft sowie Videotechnik im Planetariumssaal installiert.

1992 – 2002 | Stabilisierung der Verhältnisse

Trotz anhaltendem Personalabbau gelingt es in den folgenden Jahren, die Besucherzahlen wieder zu steigern. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung des Landes Berlin leistet finanzielle Unterstützung bei der weiteren schrittweisen Modernisierung und der Beseitigung technischer Probleme. Auch das Programmangebot wird erweitert.

Sternprojektor und Projektion im Planetariumssaal © SPB / Foto: F.-M. Arndt
Sternprojektor und Projektion im Planetariumssaal © SPB / Foto: F.-M. Arndt

2002 – 2016 | Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und Sanierung

Mit dem 1. Juli 2002 gehen das Zeiss-Großplanetarium und die Archenhold-Sternwarte auf die Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin über und werden zu Standorten des Technikmuseums in Berlin-Kreuzberg.

Nach fast 30 Dienstjahren wird Prof. Dr. Dieter B. Herrmann 2005 in den Ruhestand verabschiedet. Die Leitung beider Häuser übernimmt von März 2005 bis Mai 2006 Dr. Klaus Staubermann, gefolgt von Hans-Friedger Lachmann (Mai 2006 bis Februar 2009).

Im Februar 2009 übernimmt Dr. Felix Lühning die Leitung des Zeiss-Großplanetariums und der Archenhold-Sternwarte. Unter seiner Ägide feiert das Planetarium 2012 sein 25-jähriges Bestehen mit einem großen Festprogramm. Es beginnen Planungen für eine umfangreiche Sanierung und Modernisierung der Planetariumstechnik. In diesem Zusammenhang beginnt Tim Florian Horn im Juni 2013 als Planetariumsleiter. Für die umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die durch Sondermittel des Landes Berlin und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) möglich werden, bleibt das Zeiss-Großplanetarium von April 2014 bis August 2016 geschlossen.

Der neue Sternprojektor vom Typ ZEISS UNIVERSARIUM Modell IX wird von Spezialisten der Firma Zeiss aufgebaut und eingerichtet. © SPB / Foto: F.-M. Arndt
Der neue Sternprojektor vom Typ ZEISS UNIVERSARIUM Modell IX wird von Spezialisten der Firma Zeiss aufgebaut und eingerichtet. © SPB / Foto: F.-M. Arndt

2016 | Gründung der Stiftung Planetarium Berlin und Wiedereröffnung als Wissenschaftstheater

Zum 1. Juli 2016 wechselt das Zeiss-Großplanetarium zusammen mit der Archenhold-Sternwarte von der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin in die neugegründete Stiftung Planetarium Berlin (SPB). Unter dem Dach der SPB sind nunmehr drei astronomische Einrichtungen Berlins vereint. Die Leitung der Stiftung wird an Tim Florian Horn übertragen.

Am 25. August 2016 öffnet das Zeiss-Großplanetarium nach umfassender Modernisierung als Europas modernstes Wissenschaftstheater wieder seine Türen für Besucherinnen und Besucher. Neben einer neuen, digitalen Medientechnik gehört auch eine inhaltliche Neuausrichtung zum Gesamtkonzept der Modernisierung. Das Planetarium wird sich für neue Themengebiete öffnen: Statt wie bisher ausschließlich astronomische Programme zu zeigen, wird es sich in Zukunft auch anderen wissenschaftlichen Gebieten wie der Biologie, der Chemie oder Medizin widmen. Besonders durch die neue Fulldome-Technik können wissenschaftlich anspruchsvolle Themen eindrücklich und unterhaltsam vermittelt werden. Musik und Kultur stehen natürlich ebenfalls weiterhin auf dem Programm.

Festakt zur Gründung der Stiftung Planetarium Berlin am 01. Juli 2016 © SDTB / Foto: U. Steinert
Festakt zur Gründung der Stiftung Planetarium Berlin am 01. Juli 2016 © SDTB / Foto: U. Steinert

2017 | 30 Jahre Zeiss-Großplanetarium

Im Oktober 2017 feiert das Zeiss-Großplanetarium seinen 30. Geburtstag – ein ganzes Wochenende lang bei freiem Eintritt. Anlässlich des Jubiläums wurde das Eröffnungsprogramm »Phantastisches Weltall« aus dem Jahr 1987 überarbeitet, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ergänzt und als 360°-Fulldome-Version wieder in den Spielplan aufgenommen. Das Drehbuch schrieb, wie schon 1987, der Gründungsdirektor des Zeiss-Großplanetariums Prof. Dr. Dieter B. Herrmann. Auch die orchestrale Musik von Bernd Wefelmeyer aus dem ursprünglichen Programm kommt erneut zum Einsatz. Neu ist der durchgehende 3D-Sound mit Atmosphären und Effekten sowie die gesamte visuelle Darstellung in 360°-Fulldome.

Das Zeiss-Großplanetarium erreicht im Jahr 2017 mit insgesamt 224.496 Besucher*innen  das beste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.

Geburtstagsfest 30 Jahre Zeiss-Großplanetarium © SPB / Foto:  F. Heidenreich
Geburtstagsfest 30 Jahre Zeiss-Großplanetarium © SPB / Foto: F. Heidenreich